Pflanzenlexikon

„Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen“ heißt es im bekannten Duett in My Fair Lady. Wirkliche Leidenschaft in Sachen Natur spürt man aber angesichts zig-tausender blühender Heilpflanzen in der badischen Rheinebene auf Terra Medica. Bleibt die Frage; „Was grünt denn da eigentlich so grün?“  Unser alphabetisch sortiertes Heilpflanzenlexikon gibt Auskunft:

 

Hyoscyamus niger


© Foto: DHU

Hyoscyamus niger –  Schwarzes Bilsenkraut

Familie:  Nachtschattengewächse (wiss.: Solanaceae)

Volkstümliche Namen:

Bilsem, Düllkrut, Zahnkraut, Teufelsauge, Bilsensaad

Der Name Hyoscyamus kommt von den griechischen Wörtern „hys“ = Schwein und „kyamos“ = Bohne. Warum, ist allerdings unklar. Eine Theorie sagt, dass die Pflanze für die Schweine besonders giftig sein soll. Eine andere, dass Schweine sie problemlos essen können.

So sieht es aus:

Beliebt wird die etwa 80 Zentimeter hohe drüsenhaarig-zottige, klebrige Pflanze nie werden, weil sie einen wirklich widerlichem Geruch verströmt. Die Blätter sind buchtig gezähnt, die fünflappige Blumenkrone ist trichterförmig, schmutziggelb mit fein-violettem Adernetz. Blütezeit ist von Juni bis Oktober.

Da wächst es:

Das Bilsenkraut verlangt viel Stickstoff im Boden, begnügt sich mit Schuttplätzen und Wegrändern in Europa, Asien und Nordafrika.

Seine Wirkstoffe:

Tropanalalkaloide, vor allem Scopolamin und Hyoscyamin.

Seine Geheimnisse:

Bilsenkraut war früher wichtiger Bestandteil der Salben, mit denen sich nach mittelalterlichem Glauben die Hexen vor ihrem Ritt durch die Luft einrieben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Solanaceengifte Gefühle des Fliegens und Visionen hervorrufen können. Auch die Bierbrauer benutzten die Pflanze früher, um ihre Getränke berauschender zu machen. Der Name der böhmischen Stadt Pilsen geht auf diese Praxis zurück. Und: Mit Bilsenkraut wurde in Shakespeares „Hamlet“ der König vergiftet. Sein Geist spricht:

„... Da ich im Garten schlief,

Wie immer meine Sitte nachmittags,

Beschlich dein Oheim meine sich're Stunde,

Mit Saft verfluchten Bilsenkrauts im Fläschchen.

Und träufelt in den Eingang meines Ohrs

Somit des Menschen Blut in Feindschaft steht,

Dass es durch die natürlichen Kanäle

Des Körpers hurtig wie Quecksilber läuft.“

Die Bedeutung von Hyoscyamus niger in der Homöopathie:

Leitsymptome: Typischerweise leiden diese Menschen oft unter Liebeskummer, Eifersuchtsattacken oder fühlen sich aus der Lebensbalance gerissen. Oft treten Muskelkrämpfe oder -zuckungen auf.

Hier hilft das homöopathische Arzneimittel: Hyoscyamus niger ist bewährt bei Reizhusten, der v.a. in der Nacht auftritt, bei Unruhe und Erregungsstörungen mit Schlaflosigkeit.

 

Die Bedeutung von Hyoscyamus niger in der Phytotherapie:

Aufgrund der Giftigkeit wird es in der Phytotherapie nicht eingesetzt.