Chamomilla - Kamille

Kummer- und Mägdeblume, Apfelblümlein und Ganille, Kuhmelle und Mutterkraut: Echte Kamille, die Pflanze, die fast jeder kennt, hört auf viele Namen. Der botanisch korrekte Name lautet Matricaria recutita L. mit dem Synonym Chamomilla recutita (L.) Rauschert.

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Im alten Ägypten wurde sie dem Gott der Sonne gewidmet. Im traditionellen England gehörte sie zu den neun heiligen Kräutern. Bis heute hat bei der Krönung die Person, die König wird, immer ein Kamille-Sträußchen dabei. Die Germanen weihten die Kamille dem Sonnengott Baldur. Im alten Rom verwendete man die Kamille als Mittel gegen Schlangenbisse. Ihr Name leitet sich von dem griechischen Wort chamaimelon = niedrig, am Boden  wachsender Apfel ab, weil die Blüte nach Apfel duftet. Im Jahr 1987 wurde die Kamille zur ersten Arzneipflanze des Jahres gekürt und 2002 zur Heilpflanze des Jahres.

Die Echte Kamille, die zur Familie der Korbblütler gehört, stammt ursprünglich aus Vorderasien und Osteuropa. Heute ist sie als Wildpflanze in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Sie kommt sowohl am Meer als auch in den Bergen vor und wächst häufig auf Wiesen, bebautem Land, an Straßen und in der Nähe von Häusern. Sie ist hinsichtlich ihres Standortes sehr tolerant und anspruchslos. Überwog früher die genehmigte externe Sammlung, stammt der Rohstoff für Phytopharmaka heute überwiegend aus kontrolliertem Anbau, überwiegend aus den Mittelmeerregionen (vor allem in der Türkei, Spanien, in den Balkanländern und Ägypten), Polen und Südamerika. In Deutschland werden mehr als 1000 Hektar Kamille angebaut, hauptsächlich in Thüringen, ein Teil aber auch bei der DHU. Die Pflanze wird 20 bis 80 Zentimeter hoch und erblüht von Mai bis August. Beim Zerreiben der Kamilleblüten entsteht der aromatische, typische Geruch.

Die Blüten bestehen aus einzelnen Blütenköpfchen mit weißen Zungenblüten und gelben Röhrenblüten. Für die Naturheilkunde werden vor allem die Blüten verwendet. Dabei ist die Qualität der Kamille sehr stark abhängig vom Zeitpunkt des Pflückens und von der Art der Trocknung. Die beste Zeit der Ernte ist zu Beginn der Vollblüte. Zu diesem Zeitpunkt sind die Wirkstoffe optimal ausgebildet. Auf den Röhrenblüten und den Hüllkelchblättern befinden sich Drüsenschuppen, in denen sich das ätherische Öl sammelt. Die ätherischen Öle der Kamille hemmen Entzündungen, fördern die Wundheilung, können schweißtreibend sein sowie Bakterien und Pilze abtöten. Die Kamille ist auch schon lange als ein beruhigendes und entspannendes Heilkraut bekannt. Aus gutem Grund: In der Kamille sind Substanzen enthalten, vor allem Apigenin, aber auch Bisabolol die dafür verantwortlich sind, dass die Kamille krampflösende Eigenschaften besitzt. Im Gegensatz zu chemischen Medikamenten hat Kamille jedoch  keine gefährlichen Nebenwirkungen.

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hat die Kamille (Matricaria chamomilla) geprüft und in seinem Werk „Reine Arzneimittellehre“ (1821-34) veröffentlicht. In der Homöopathie wird die frische ganze Pflanze zur Blütezeit als Ausgangsmaterial verwendet. Typische Modalitäten, die für diese Arznei sprechen, sind Besserung durch Getragenwerden (Kinder) und Verschlechterung bei Hitze, Ärger, Wind und nachts.