Atropa belladonna - Die Tollkirsche

Belladonna, die Echte Tollkirsche (Atropa belladonna), ist eine Pflanzenart aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Der Gattungsname leitet sich von der griechischen Schicksalsgöttin Atropos her, die Macht über Leben und Tod besaß.

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Im 16. Jahrhundert haben sich die Italienerinnen den Saft der Beeren in die Augen geträufelt, damit diese durch die erweiterten Pupillen strahlend wirkten: daher der Name bella donna, schöne Frau. Belladonna war eines der ersten homöopathischen Mittel, das Samuel Hahnemann 1799 entwickelte. Er bemerkte die Ähnlichkeit der Symptome zwischen einer Belladonna-Vergiftung und Scharlach.

Der Verzehr der süßlich-sauren kirschen-ähnlichen Früchte (Beeren) der Tollkirsche, die in Europa, Asien und Nordafrika wächst, kann im schlimmsten Fall zum Tod durch Atemlähmung führen. Der dafür verantwortliche Inhaltsstoff, das Atropin, spielt in der Pharmazie eine bedeutende Rolle und ist in verschiedenen Herzmedikamenten zu finden. Obendrein wird Atropin verwendet, um eine Narkose einzuleiten und um die Pupille bei bestimmten Augenuntersuchungen und -behandlungen zu erweitern. Der Aufbau der Frucht gleicht einer Tomate – auch wenn sie viel kleiner ist und durch den hohen Gehalt von Anthocyanen (wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe) dunkel gefärbt ist. Belladonna gedeiht auf humusreichen, etwas kalkigen Böden. Sie wird bis zu 150 Zentimeter groß, blüht etwa von Juni bis in den August. Anschließend entwickeln sich die schwarzen kirschartigen Beeren.

Typische Vergiftungserscheinungen dieser Beeren sind: erweiterte Pupillen, trockene, heiße und gerötete Haut, Trockenheit der Mundschleimhaut, schneller Herzschlag (Puls), Unruhe, Tobsuchtsanfälle, Delirium, Bewusstlosigkeit. Dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie entsprechend, leitete Hahnemann unter anderem hier die Einsatzmöglichkeit ab und machte Belladonna zu einem der bekanntesten und wichtigsten Arzneimittel mit einem sehr großen Wirkungsspektrum. Das war ungewöhnlich: Denn eigentlich werden die Indikationen vor allem entsprechend der Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen festgelegt.

Die Tollkirsche wird seit der Antike medizinisch genutzt, unter anderem als Schmerzmittel. Im 19. Jahrhundert wurden Wurzel- und Kräuterextrakte zur Behandlung von Gelbsucht, Wassersucht, Keuchhusten, Nervenkrankheiten, Scharlach und Epilepsie verwendet. Zur anschließenden homöopathischen Aufbereitung wird die frische ganze Pflanze einschließlich Wurzel am Ende der Blütezeit verwendet. Der „Erlkönig“ von Johann Wolfgang Goethe erzählt vom Belladonnafieber und dem Problem, dass der Vater das Kind mit seinen äußerst typischen übersinnlichen Wahrnehmungen nicht ernst nimmt.